Februar

Berlin 2007

volksbuehne_2.jpg

donnerstag 1.2.07

murx ihn, murx ihn, murx ihn ab den europäer 
eine theateraufführung von christoph marthaler in der volksbüne gesehen und ich habe mich grossartig unterhalten.
die volksbühne selbst ist ein recht gut erhaltener bau aus der jahrhundertwende, die monumentale deckenlampe und die grosszügige rundung des gebäudes passten gut zu dem patriotischen abend.
die kulisse, absoluter mief, der geruch von kohleöfen hielt sich in der nase fest, die viebrierenden töne eines überhitzten ofens waren leise und perfekt zu hören. die monotonie der wiederholungen machte das ganze so intensiv, es war zum zerplatzen.
der applaus war dann die reaktion, oder endlich die explosion. 
zweieinhalb stunden wenig gesprochen, doch das was gesprochen wurde umso
eindrücklicher. 
„ein fremder in einer fremden stadt, fragte einen fremden nach einer fremden strasse.
der fremde sagte, die strasse sei ihm fremd, er sei ein fremder in der fremden stadt“
oder
„die menschen auf erden sind ordentlich, im himmel ist ordnung“
oder
„warum hast du den hund vergiftet? ich habe ihn nicht vergiftet!
wenn du ihn nicht vergiftet hättest, hätten wir jetzt noch einen hund“ 

DSC_5202.jpg

freitag 2.2.07

 

im berggruen museum.
das museum liegt gleich gegenüber vom schloss charlottenburg
die meisten bilder sind von picasso und klee, einige von matisse.
hunderte von büchern existieren in der angrenzenden buchhandlung, also unterlasse ich es, mich als laie über picasso zu äussern. 
mir persönlich hat das bild „dora maar mit grünen fingernägeln“ sehr gefallen, überhaupt finde ich, hat er keine frau vor ihr und nach ihr so vorteilhaft gemalen wie dora maar.
die versiegelte frau von klee hätte ich ebenfalls sehr gerne nach hause mitgenommen.
solche besuche reissen mich immer in einen vulkan von gefühlen, bin anschliessend erschöpft, als ob ich körperlich streng gearbeitet hätte.
ein kleines intermezzo im zusammenhang mit dem museum. wir waren kurz vor 14h an der kasse. mit einer kleinen erschrockenheit stellte ich fest, dass wir die einzigen besucher waren. vielleicht haben wir die öffnungszeiten falsch gelesen.
weit gefehlt.
die öffnungszeiten waren von 10h-18h 
kaum aber waren unsere billette gelöst, kamen dann jede menge leute.
als wir später die mäntel abholten, sahen wir an der kasse eine tafel.
jeden donnerstag ab 14h freier eintritt. 

till_als_harlekin.jpg

samstag 3.2.07

 

auf dem neuen kalenderblatt vom februar schaut mein enkel till diesen monat mir beim schreiben zu.
es zeigt ihn als harlekin. 
durch sein weissgeschminktes gesicht ziehen blätterlose, zarte äste. der blick ist entrückt und doch scheint mir, es liege ein anflug von einem leicht spöttischen zug um seinen mund. diese art blick kenne ich so nicht bei ihm. aber wie sollte ich alle „blicke“ meines enkels kennen, wenn man einander wochenlang nicht sieht und überhaupt, wie könnte ich so anmassend sein und mir alle seine „blicke“ als mein eigentum oder als schon gesehen wünschen 
ich weiss, dass er mich keineswegs mehr braucht, was schmerzt und doch gut ist. 

spielplatz_am_prenzlauerberg_.jpg

sonntag 4.2.07

 

geträumt von einem hochsitz, der so hoch war wie der eifelturm. jemand schrie mir von oben zu, dass ich doch zuschauen solle, wie sie nun mit höchstgeschwindigkeit hinunterrasen werden. mein magen wurde zum klumpen, die augen verengten sich, die schreie von oben kamen näher und näher, ich hielt die ohren zu. 
es kam niemand aus dem turm, es war totenstille. 

am prenzlauer berg. gemüsemarkt. sehr viele leute und wie mir schien ebenso viele, von jungen vätern gestossene buggys. der kinderspielplatz beim käthe kollwitz denkmal war über- und übervoll mit spielenden, lachenden und weinenden kleinkindern. die mütter schwatzten, rannten, trösteten und schimpften, väter sassen auf der mauer lasen zeitung oder wippten den kinderwagen, oder auch beides gleichzeitig. 

nachthimmel_mit_mond.jpg

montag 5.2.07

 

gestern abend am kurfürstendamm. die gedächtniskirche ganz wenig beleuchtet, gerade so, dass die tragik dieses gebäudes zum ausdruck kommen konnte. 
die dunklen grossen löcher geben der kirche etwas bedrohliches, fressendes und zugleich abstossendes. das goldig beleuchtete zifferblatt deute ich als hoffnungsschimmer der gegenwart.
bei schönster nächtlicher aussicht etwas gegessen. das leben auf dem platz gab mir den eindruck, irgendwo in einem mediterranen land zu sein. es roch nach zukunft, wärme, zuckerwatte und gebratenem fisch. 
auf dem heimweg spielte der vollmond sein nächliches spiel. er benahm sich wie eine tänzerin. mal verhüllte er sich mit dem luftigen weissen, fast durchsichtigem wolkenkleid, dann wieder zeigte er ein winziger blick lang, sein lächelndes antlitz und irgendwann, als genug getanzt war kam er mit einem pompösen soloauftritt auf den berliner nacht himmel.
vor dem tacheles komplex standen hunderte von wartenden nachtmenschen. die mitternacht vorstellung hatte noch nicht begonnen. 
in der augusstrasse waren die lokale gefüllt, welche während des tages ein ruhiges, einsames dahinträumen leben und in tiefster nacht erst aufwachen. kleine rinnsäle liefen auf den angelaufenen festerscheiben hinunter, durch diese dünnen rinnstrassen konnte ich die menschen sehen, die sich in dieser enge nicht mehr drehen und wenden konnten. 
zusammen-ge-hörig-keits-gefühl. 

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dienstag 6.2.07

 

erblicken
verändern,
verderben
verlieren
und
neu
erblicken
verändern
verderben
verlieren
und
neu
erblicken
hoffen
auf die nächsten ewigkeiten

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mittwoch 7.2.07

 

der bär und ich haben feiertag

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donnerstag 8.2.07

 

gestern das ahv alter erreicht. jetzt werde ich mit würde auf die schon gar nicht mehr gestellte frage „reduzierter eintritt? “ hinwegsehen.
welcher grossartiger tag!
um 8.00h aufgewacht, sonne im zimmer, die kuppel der synagoge blendete so stark, dass mein sehvermögen bis der vorhang gezogen wurde gleich null war.
erblinden könnte man vor soviel gold.
8.30h ein erstes telefon, nochmals ein telefon. der gabentisch voll mit schönen dingen.
ich sage seit jahren, dieser tag ist mehr als weihnachten.
später ganz wichtige briefe verpackt und auf die post gebracht.

am mittag zum wannsee gefahren, sonne und eine vergnügte vorfreude auf frühling.
auf empfehlung von unterschiedlichsten menschlichen naturellen, die erste currywurst gegessen und ich vermute es könnte die letzte gewesen sein.
noch nach stunden bewegte sich der geschmack im bereich der speiseröhre. ich trank irgendwo eine cola in der hoffnung auf eine veränderung, musste aber noch eine weile geduld haben.
der abend verbrachten wir mit auserlesenen speisen im „modellhut“
auf dem heimweg schneite es leicht, der tag war traurig über das schnelle ende, so dass er dicke schneetränen vergoss.

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freitag 9.2.07

 

gestern abend das ägyptische museum auf der museumsinsel besucht
es ist eine besondere atmosphäre, an der spree entlang zu den beleuchteten museen zu laufen.
im wasser das aufgefangene licht der hohen fenster, bei jedem windstoss verändert sich das erscheinungsbild.
auf der brücke recht viel liegengebliebener schwarzer schnee. ein gespenstischer anblick, ein bild aus dem tiefsten mittelalter. nur pferdewagen fehlten.
die büste der nofretete ist schöner als auf den fotos, ihr blick, wenn auch nur aus einem auge ist unergründlich, distanziert.
gebannt verharren scharen von besucher vor dem glaskasten. grosse, kleine und winzige fotoaparate holen sich ein bild von nofretete über den köpfen der staunenden.

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samstag 10.2.07

 

grosse regnerische schneeflocken, gleiten vor dem fenster lautlos auf nicht anwesende menschen. die stadt fällt in eine grabesruhe, als gelte es die toten nicht aufzuwecken.ich liebe diese stille, mag aber den schnee nicht sehen.
meine büchsen und ich warten auf die wind- kälte- und schneefreie zeit.

über mir dächer
aus drähten
schritte
zerdrücken
eisreifige körner
pulsierende adern
in häuserschluchten
ich ziehe den vorhang
und telefoniere


 

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sonntag 11.2.07

 

gefrühstückt wie die berliner
guter artikel im wespennest
von andreas grosz gelesen
fotoausstellung von „hoppy“ hopkins gesehen
im pergamonmuseum, bis mein körper in zwei teile fiel
in einem dunklen keller heisse schockolade getrunken
zum brandenburgertor gelaufen
und
zügig im tiergarten zum potsdammerplatz marschiert
mit müden füssen
an die auguststrasse zurückgekommen
post erledigt
froh um diese tageszeit

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montag  12.2.07

 

martin kocht wie gott in berlin.
wir gingen zusammen einkaufen und das einkaufen wurde zu einer sinnlichen aktion.
auf dem markt reisten seine augen durch die grossartigen gemüseberge.
in erwägung kam spinat, doch bei dieser vielfalt konnte er sich nicht entschliessen, kaufte ein paar meter weiter mit totaler überzeugnung doch spinat, weil ihm die blätter frischer erschienen als beim vorhergehenden marktstand, dazu zwei schalotten, einen boskopfapfel eine zitrone.
drei stände weiter diverse pilzsorten.
rosa, braune und weisse pilzarten aktivierten die phantasie von martin. er kaufte den rosa baumpilz, zehn kräutersaiblinge, von den enokipilzen zwei hände voll, dazu etwas thymian und rosmarin
im ka-de-we die suche nach dem optimal gelagerten fleischstück. unentschlossen, ob rind oder lamm.
konzentriertes hin und her gehen. rind beeindruckte ihn letztendlich mehr.
weiter zur fischabteilung. zander, thunfisch, lachs- und schollenfilet, verwarf diese möglichkeiten gleich wieder, weil ihn die in reih und glied präsentierten dorados mehr begeisterten
beim einpacken sah er noch ein schönes stück lachs. ein kleines lachstartar als einstieg sei immer gut.
plötzlich die entspannte feststellung, jetzt wisse er wie das heutige essen im endresultat sein werde.
eigentlich sei fast fertig gekocht.
zu letzt mussten wir noch den richtigen reis für ein optimales risotto in einem regal suchen und wenig rahm, der ihn in der konsistenz überzeugte

besuch im museum für fotografie.
david la chappelle
helmuth newton
james nachtway
eindrücke die mir fast die zukunft rauben.

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dienstag 13.2.07

 

till ist angekommen, mit dem flugzeug, in berlin, bei mir, bei uns.
eine dame brachte ihn zu uns.
vorgängig aber warteten wir und warteten, es kamen ganze knäuel von menschen, dann wieder nur ein einzelner, aber alle schienen es eilig zu haben.
till offensichtlich nicht. ich war sehr unruhig.
plötzlich jedoch sah ich seine rote kappe.
wir sahen uns gegenseitig, gleichzeitig. er strahlte und sagte etwas zu der dame die ihn begleitete und auch sie fing an zu strahlen. nicht selbstverständlich in einer hektischen flughafenumgebung.
till wirkte sichtlich stolz. durfte es auch sein, wollte er doch am morgen, als er aufwachte laut sms meiner tochter nicht mehr nach berlin. sie fing dann an, ihm alle vorzüge solch einer reise schmackhaft zu machen und wie es bei der ankunft den eindruck machte, war er sehr glücklich.
die groundhostess fragte mich nach meinem namen, sie wollte meinen pass sehen, den ich ihr auch sofort zeigen konnte. darauf meinte sie sehr trocken „da scheint ihre frisur noch besser zu sein“ und recht hatte sie.
aber trotzdem und trotz ahv und trotz berlin, machte mich diese wohl ehrliche aussage verwirrt. als wir an der auguststrasse ankamen war mein gang in den nächsten frisörladen.
aber, am montag arbeiten auch die berliner frisöre nicht.
am abend war till sehr traurig, er weinte, er wollte nach hause zu seiner mama.
die stinkige luft bekomme ihm nicht, es sei ihm schlecht, die vielen autos, das sei doch kein vergnügen
wir assen dann zusammen, ich erzählte ihm von martin, dann entschied er sich, koch zu werden, er übernahm die bedienung, es war so wie damals..
es fing an zu regnen,
die silhouette seines körpers stand im fensterrahmen.irgendwann drehte er sich um und sagte
“es riecht wie in stansstad“.

 

mittwoch 14.2.07

 

unterwegs
mit dem tag
das wasser schlägt
auf
was
willst du
die schmale junge hand
verschenkt blätter
für jedes leben
ein blütenblatt
dem kind am eisbach

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donnerstag 15.2.07

 

ausflug zum rütlikindergarten an der rütlistrasse. etwas weiter oben oder weiter unten, schwer zu erkären, da ja berlin flach ist, liegt das tellstübchen an der tellstrasse.
keine heimatlichen gefühle ausgebrochen, trotz tell und rüt

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freitag 16.2.07

 

gestern waren mein mann und till im zoologischen garten. sie kamen etwa sechs stunden später begeistert nach hause und hatten dementsprechend viel zu erzählen. till meinte, dass der zoo mega-mega sei und dort gebe es bären in grossen gehegen und sogar in allen farben und arten.
besonders habe ihm das aquarium gefallen, mit den exotischen fischen, reptilien und schlangen. er erzählte von den haifischen welche ihn speziell begeisterten und er würde am liebsten gleich nochmals hingehen.
er habe jedoch den vielen tieren vorerst tschüss gesagt, denn er werde ja an ostern nochmals kommen mit seiner mama, dann sehe er alle seine lieblinge wieder.
spät abends machten wir noch einen spaziergang zum reichstagsgebäude, wir wollten hinauf zur kuppel, von dort aus kann man über die ganze stadt sehen. entgegen dem gewohnten bild, wo sich schlangenartig die menschen hintereinander einreihen und warten, standen keine besucher. wir konnten schnell die sicherheitskontrolle passieren und der spiegelverkleidete lift, der tausendfach unsere gesichter kopierte, transportierte uns zur plattform.
till lief die rampen hinauf und gleich wieder hinunter, hinauf, hinunter, eigentlich auf den köpfen der regierung und den abgeordneten, denn von oben ist der parlamentssaal einsehbar.
natürlich war er leer um diese tageszeit, aber doch hell beleuchtet, so dass wir die hellblauen, im kreis stehenden stühle sehen konnten, wo jeweils die bundeskanzlerin angela merkel mit ihren mitkämpfern debatiert..
till verglich die kuppel mit einer kügelibahn (genau wie ich) und seine augen leuchteten. er begeisterte sich mit kindlicher freude und rotem gesicht an diesem hinauf und hinunter. er hatte freie bahn, da ihm keine besucher im wege standen.
bevor wir wieder zum lift gingen, blieben wir auf der terrasse ein moment stehen. am nächtlichen himmel sahen wir ein flugzeug. tills fröhliche, ausgelassene stimmung sackte in sekundenschnelle zusammen und er sagte, er möchte so gerne mit diesem flugzeug zurück nach stansstad.
wenn er sich nämlich in dieser stadt verirren sollte, würde er nicht einmal die schweizerbotschaft finden.

am nachmittag melk imboden und kathrin krammer vor der haustür kennengelernt. er war einer der ersten stipendianten der renovierten wohnungen an der auguststrasse. eine hochinteressante halbe stunde.
zudem kennen beide meine tochter.
berlin scheint doch nicht so gross zu sein

samstag 17.2.07

 

seit tagen liegt eine graue schicht über der stadt, kein einziger sonnenstrahl, oftmals regnet es aus dem verhangenen grauen etwas, was sich himmel nennt. laut den mails aus der schweiz soll immer schönes frühlingswetter sein. in solch grauen tagen versiegt die energie gegenüber mir, meiner arbeit und überhaupt.
dann schlendere ich ohne absichten durch die stadt, lasse mich vom strom der bewegung vorwärtstreiben, freue mich an der anonymität und kann mit den gegebenen
lichtverhältnissen wenn es eindunkelt wieder einigermassen umgehen.

die 2711 steelen die an den holocaust der europäischen juden erinnern, liegen mit ihren anthrazit farben genau so bleiern auf der erde wie im moment meine gefühlssituation.

till ist ein grossser farbtupfer, seine unbeschwertheit, sein geplapper, sein erzählen, sein lachen hilft mir, die dinge von einer andern warte aus zu betrachten.

 

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sonntag 18.2.07

 

gestern abend am kurfürstendamm. die gedächtniskirche ganz wenig beleuchtet, gerade so, dass die tragik dieses gebäudes zum ausdruck kommen konnte.till meinte, er finde das schon etwas komisch, dass wir keinen fernseher in der wohnung haben und vor dem fenster sei der fernsehturm.

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montag 19.2.07

 

die sonne hat sich doch noch nicht von der welt verabschiedet.
der frühling ist über nacht ein ganz klein wenig angekommen. auch bei den cafés sind die trottoir-restaurants innerhalb ein paar geschlafener stunden zum leben erweckt worden.
musiker, sänger, tänzer, wurstverkäufer alle überboten sich mit attraktionen. eine grosse flanierende menge menschen, junge, alte, schöne und am grössten die zahl derer, welche es gerne wären, bevölkerten den alexanderplatz.
ich fotografierte endlich wieder mal.
sechs jugendliche und ihr dirigent sangen voller begeisterung einen englischen song. ich stellte meine büchse vor ihnen auf und fing an zu belichten. ein gewaltiger, hinterlistiger windstoss blies meine büchse weg. sie rollte zwischen menschen- und hundebeinen quer über den platz. niemand hielt sie an.
an der mauer vom kaufhof galeria schlug sie auf und ich konnte die belichtungöffnung mit dem kleber verschliessen. im labor dann die überraschung. die sängergruppe war erkennbar, der dirigent aber verschwunden. er überstand die unzähligen drehungen nicht.

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dienstag 20.2.07

 

im lichtblick kino, der himmel über berlin von wim wenders gesehen. nicht nur der film ist sehenswert, das kino ist einzigartig. bei der kasse ein alterloser mann, er könnte vor der wende schon da gestanden haben. neben der kasse eine nähmaschine, einige stühle und eine bank, die mit einem goldenen tuch überzogen war. ich dachte es sei ein fauteuil, doch falsch gedacht, er war hart wie eben eine harte bank.
durch einen dunklen, kurzen gang kamen dann die paar besucher in den kinosaal. die länge des kinos neun reihen.
bei den ersten vier reihen hatten noch vier stühle nebeneinander platz, bei den nächsten fünf kamen nur noch drei sitzgelegenheiten. die leinwand hatte die breite der vier stühle
31 personen würden platz finden, jedoch nehme ich an, die vordersten zwei reihen dürfen gar nie besetzt werden, denn die leinwand fängt unmittelbar bei der vordersten reihe an.
die decke abblätternd, zartgrün gestrichen. ein winziger teil dieser decke mit einer übergrossen, wunderschönen lampe bestückt und um die lampe herum herrlich erhaltener stuck. die wände dunkelgrauer beton der boden undefinierbar dunkel.
der film ein poetisches märchen.

aschermittwoch 21.2.07

 

gedanken-leer

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donnerstag 22.2.07

 

besuch des städtischen künstlerfriedhofs berlin-friedenau. marlene dietrich und deren mutter sind dort bestattet und zwei gräber weiter helmut newton. ich fand das grab von marlene dietrich sehr männlich.
auf einem klobigen, viereckigen gräulichen stein stehen folgende worte.
„hier steh ich an den marken meiner tage“
und darunter ihr name „marlene 1901-1992“, in einer kalten unpersönlichen schrift. ansonsten alles verwildert, oder halt eben vergessen.
beim starfotografen helmut newton lag in der mitte des grabes eine tiefgefrorene verweklte rose. auf einer kleinen grabblatte ein bild von ihm.
habe aber den eindruck, dass am grab von marlene dietrich und helmut newton nur wenige besuchers stehen bleiben.
im gegensatz zu ihren lebzeiten sind die beiden an einem ruhigen ort und werden in ruhe gelassen.
ich machte dann mehrere bilder von den zwei gräbern und auch eine doppelbelichtung vom grab newtons.
auf meinen bildern gefallen mir ihre ruhestätten besse

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freitag 23.2.07

 

in der schweizerbotschaft.
auch da musste alles zur kontrolle auf den tisch gelegt werden. rucksack öffnen, mantel ausziehen, taschen räumen, schlüssel aus dem mantelsack, kleingeld ebenfalls.
die büchsen, zwar ein gesprächsstoff aber kein hinderungsgrund um sie nicht mitzunehmen, wie alles andere auch. durch eine schleuse komme ich anschliessend in ein kleines wartezimmer. einige sehr tiefe sessel standen herum, lässt man sich in diese sessel hineinfallen kommt kein mensch ohne fremde hilfe mehr auf die beine. ich wartete dann stehend. dann wurde ich abgholt von einer jungen dame mit einem lift in den obersten stock gefahren und durch einen schmalen gang mit sicht in einen tiefen schacht in ein besprechungszimmer geführt.
kärglich eingerichtet, schwarze stühle, ein tisch, ein leeres büchergestell, kein bild an der wand, dafür viel beton und eine schöne aussicht auf den reichstag, den spreebogen, das paul-löbe-haus mit dem dahinter liegenden marie-elisabeth-lüders haus, beides gebäude für die bundestags-abgeordneten. ich dachte ich wäre im alten teil der botschaft, doch dem war keineswegs so. zimmerchen an zimmerchen, nichts wo ich etwas neues erhabenes finden konnte.
im gang, wo ich mich später verabschiedete, wieder der blick in den dunklen betonschacht, mein verständnis für moderne architektur grenzte eher an fassungslosigkeit. will die schweiz zeigen, wie bescheiden es sich leben lässt.
unten angelangt wurde ich nochmals in ein leeres bureau geführt, das einzig schöne was ich erblicken konnte waren drei bilder von cecile wick, doch auch sie verkümmern, weil die spiegelung verhindert, dass das besucherauge davor stehen bleibt. jeder betrachter der bilder sieht nur sich selber.
fazit, mitten drin im regierungsviertel der deutschen politik und nur 80 meter vom kanzleramt entfernt, die schweizer botschaft.
einsam und winzig.

grosser tag für roger und anne.
es wird geheiratet
unsere innigsten glückwünsche

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samstag 24.2.07

 

milchgraue luft
fernes donnern
decke mich zu
mit der zeit
die tage sind kostbar
die zeitungen voll
ohne
hilfreiche worte
kleiner punkt
am ende meiner haut
zurück zur flackernden kerze
von gestern abend

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sonntag 25.2.07

 

sobald ich das fotopapier belichte, fange ich an zu zählen.
beim ka-de-we, vor dem belebtesten warenhaus in berlin, bemerkte ich in meiner kauernden stellung zwei beine, welche hartnäckig neben der büchsentasche stehen blieben. als die belichtungszeit beendet war, blickte ich in ein ernstes damengesicht. sie habe meine tasche vor dem wind geschützt, sagte sie, die tasche wäre sonst davon geflogen und ich hätte es nicht einmal bemerkt.
wie recht sie hatte.
zum aufwärmen in ein café.
ich stellte eine büchse aufs fenstersims. neben mir zwei junge männer. der eine drehte halb den kopf und flüsterte seinem gegenüber zu „was macht DIE denn“. auch ich drehte meinen kopf und flüsterte ebenso leise „fotografieren“.
kein weiterer kommentar. ich sah ihren augen an, was sie dachten.

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montag 26.2.07

 

nach marzahn gefahren. ein hochhaus neben dem andern ragen in schwindelerregenden höhen, früher nannte man sie plattenbauten. eine gruppe für sich würde allein schon eine kleinere stadt geben.
die gebäude sind, wie ich das erkennen kann, meistens hufeisenartig angelegt und in vielen quartieren gibt es wider erwartung wunderschöne parkanlagen mit kleinen seen, wo junge und alte generationen mit ihrem nachwuchs ihr saures brot den schwänen und enten verfüttern.
besuch der gedenkstätte hohenschönhausen. katastrophale zustände. nach dem zweiten weltkrieg wurde viel physische gewalt, angewendet, später kamen psychologische methoden zum einsatz. ich wage diese arten der folterung und der räumlichen enge nicht bis ans ende zu denken. die brutalen, spöttischen und staatstragenden geister, lassen mich jedesmal erschüttern.
vor kurzem noch führten ehemalige gefängnisinsassen durch die gänge des schreckens.

dienstag 27.2.07

 


muss mehr nein sagen, aber weil nein sagen so ungewohnt tönt in allen ohren, ist und bleibt es schwierig.


ich habe meinen atem verloren
muss nun auf suche gehen
weiss nicht wie lange das dauert